Die Veranstaltungen der DGEJ dienen dem wissenschaftlichen Austausch der Mitglieder untereinander sowie aller am 18. Jahrhundert Interessierten. Die Tagungsthemen werden mit dem Vorstand abgestimmt und von diesem festgelegt. Themenvorschläge sowie die Bereitschaft zur Ausrichtung einer Tagung seitens der Mitglieder der Gesellschaft mit fächerübergreifender Ausrichtung sind erwünscht.
Bi- und trilaterale Konferenzen zeugen von der regen Zusammenarbeit mit den Gesellschaften anderer Länder.
DGEJ-Jahrestagung 2026
Unabhängigkeit und Fremdherrschaft: Wirkungswege der „Declaration of Independence“ im Zeitalter der Revolutionen (1750-1850)
Hamburg, 29. bis 30. September 2026
Organisatoren: Volker Depkat, Markus Friedrich, Jürgen Overhoff
2026 jährt sich der Tag der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung zum 250. Mal: Am 4. Juli 1776 gaben dreizehn Kolonien Britisch Nordamerikas mit dieser Urkunde in Philadelphia ihre Loslösung von Großbritannien bekannt und proklamierten ihr Recht, fortan einen eigenen souveränen Staatenbund zu bilden. Schon am 9. Juli 1776 lag das welthistorisch bedeutsame Dokument auch in deutscher Übersetzung vor und fand anschließend unter der deutschsprachigen Bevölkerung der jungen USA und auch im deutschen Reich weite Verbreitung. Es folgten weitere Übersetzungen in fast alle europäischen Sprachen.
Vor diesem Hintergrund zielt die Jahrestagung 2026 der Deutschen Gesellschaft für die Erforschung des 18. Jahrhunderts darauf, die Verbreitung und Bedeutung der Unabhängigkeitserklärung zu untersuchen und ein Schlüsseldokument des 18. Jahrhunderts neu zu perspektivieren. Dabei soll insbesondere deutlich werden, dass der Text des Schriftstücks nicht nur die Gründungsurkunde der Vereinigten Staaten darstellt, sondern auch als eines der wirkungsmächtigsten Dokumente der naturrechtsliberalen Staatsphilosophie der Neuzeit zu verstehen ist.
Mit seiner Feststellung, „dass alle Menschen gleich erschaffen“ seien und dass alle rechtmäßigen Regierungen ihre gerechte Gewalt „von der Zustimmung der Regierten herleiten“, greift die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung wesentliche Ideen der politischen und sozialen Debatten des 18. Jahrhunderts auf und verschaffte ihnen in neuer Dringlichkeit konkrete Geltung.
Zugleich ist die Unabhängigkeitserklärung aber auch die Festschreibung der Besitzergreifung eines Landes durch europäische Siedler, die die politische Ausgestaltung des von ihnen neu gegründeten Staatenbundes im Wettstreit und Konflikt mit den Indigenen führten. Überdies war die Freiheit der USA auf Sklaverei gebaut. Letztere wurde mit der Verkündigung der naturrechtsliberalen „Ideen von 1776“ zwar zu einem Widerspruch zu den freiheitlichen Gründungsideen der Vereinigten Staaten, weshalb es in einigen Staaten des Nordens auch in unmittelbarer zeitlicher Nähe zur Unabhängigkeitserklärung bei Weißen und Schwarzen zu abolitionistischen Bestrebungen kam. In anderen Staaten jedoch ging die Sklaverei aus der Amerikanischen Revolution sogar noch gestärkt hervor, wurde sie dort doch nun mit den Wertideen der Unabhängigkeitserklärung legitimiert; sei es, weil Sklavereibefürworter auf das Eigentumsprinzip der Revolution verwiesen, sei es weil die rassistische Vorstellungswelten der Revolutionäre den Schwarzen ihre Menschlichkeit absprachen. Auch Frauen waren aus dem Freiheitsversprechen der Unabhängigkeitserklärung zunächst ausgeschlossen; zwar waren sie als Akteure am revolutionären Geschehen durchaus beteiligt, dennoch wurde ihnen Bürgerrechte und Partizipation in der revolutionär begründeten Republik verweigert. Gleichzeitig aber fallen die Anfänge des Feminismus in den USA in die Zeit der Amerikanischen Revolution, und er formierte sich unter Berufung auf die Wertideen der Unabhängigkeitserklärung. Schufen die „Ideen von 1776“ also nur neue Ausschlussmechanismen, oder setzten sie nicht vielmehr auch emanzipatorische Bestrebungen frei, mit denen die zunächst Ausgeschlossenen – mindestens perspektivisch – ihr Recht auf Inklusion und Teilhabe einforderten?
Die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika ist ein Dokument, das wie kaum ein anderer Text der Moderne die Ambivalenz des Aufklärungszeitalters deutlich macht. Durch eine gründliche Auseinandersetzung mit der Vor-, Gründungs-, Beziehungs- und Wirkungsgeschichte der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung im Zeitraum von 1750 bis 1850 soll die Jahrestagung der DGEJ aufzeigen, welche Bedingungen den mit ihr auch angestrebten globalen Demokratisierungsprozess begünstigten oder eher behinderten. Sichtbar wird dies sehr früh schon im Verlauf der Revolution in Haiti (1791) und der auf sie folgenden Revolutionen und Unabhängigkeitskämpfe in Lateinamerika sowie gerade auch im Zuge der europäischen Revolutionen von 1789, 1830 oder 1848, die sich alle in mehr oder weniger ausgeprägter Form auf die Amerikanische Revolution von 1776 bezogen. Die Tagung will den unterschiedlichen Wirkungswegen der Declaration of Independence gezielt nachspüren, indem sie vor allem die Wechselbeziehungen von Unabhängigkeit und Fremdherrschaft in den Blick nimmt.
Vergangene Veranstaltungen
Kunst und Handwerk – Die Techniken des 18. Jahrhunderts (DGEJ-Jahrestagung 2024)
Rassismus und Weltwissen (DGEJ-Jahrestagung 2023)
Das Erbe der Aufklärung: Aktualität, Historiographie und Re-Lektüren / L’héritage des Lumières: actualités, historiographies et relectures (DGEJ-Jahrestagung 2022)
Tagungsprogramm (PDF) und Plakat (PDF)
Rotraud von Kulessa, Stefanie Stockhorst u. Vanessa de Senarclens (Hg.): Das Erbe der Aufklärung. Hannover: Wehrhahn Verlag 2024.
Die Welt im Dorf (DGEJ-Jahrestagung 2021)
Markus Friedrich u. Jenny Körber (Hg.): Die Welt im Dorf. Wege des Exotischen in die Peripherien des 18. Jahrhunderts. Berlin/Boston: De Gruyter Oldenbourg 2024.
Die Bilder der Aufklärung / Pictures of Enlightenment / Les Images des Lumières (DGEJ-Jahrestagung 2020)
Tagungsprogramm (PDF) und Plakat (PDF)
Elisabeth Décultot u. Daniel Fulda (Hg.): Die Bilder der Aufklärung. Paderborn: Brill/Fink 2024 (Laboratorium Aufklärung 39).
Zirkulation und Kontrolle. Dynamiken des 18. Jahrhunderts (DGEJ-Jahrestagung 2019)
Tagungsprogramm (PDF)
Marian Füssel (Hg.): Zirkulation und Kontrolle. Dynamiken des 18. Jahrhunderts. Basel: Schwabe 2025 (Das lange 18. Jahrhundert 4).
Kulturen der Moral (DGEJ-Jahrestagung 2018)
Tagungsprogramm (PDF)
Kristin Eichhorn u. Lothar van Laak (Hg.): Kulturen der Moral. Hamburg: Meiner 2021 (Studien zum 18. Jahrhundert 42).
Katholische Aufklärung in Europa und Nordamerika (DGEJ-Jahrestagung 2017)
Tagungsprogramm (PDF)
Jürgen Overhoff u. Andreas Oberdorf (Hg.): Katholische Aufklärung in Europa und Nordamerika. Göttingen: Wallstein 2019 (Das achtzehnte Jahrhundert. Supplementa 25).
Theatrum naturae et artium – Leibniz und die Schauplätze der Aufklärung (DGEJ-Jahrestagung 2016)
Tagungsprogramm (PDF)
Daniel Fulda u. Pirmin Stekeler-Weithofer (Hg.): Theatrum naturae et artium – Leibniz und die Schauplätze der Aufklärung. Stuttgart: S. Hirzel Verlag 2019.
Erzählende und erzählte Aufklärung – Narrating Enlightenment and Enlightenment Narrative (DGEJ-Jahrestagung 2015)
Tagungsprogramm (PDF)
Frauke Berndt u. Daniel Fulda (Hg.): Die Erzählung der Aufklärung. Hamburg: Meiner 2018 (Studien zum 18. Jahrhundert 38).
Bündnisse. Politische und intellektuelle Allianzen im Jahrhundert der Aufklärung (DGEJ-Jahrestagung 2014)
Tagungsprogramm (PDF)
Franz M. Eybl, Daniel Fulda u. Johannes Süßmann (Hg.): Bündnisse. Politische und intellektuelle Allianzen im Jahrhundert der Aufklärung. Wien: Böhlau 2019.
Präsenz und Evidenz fremder Dinge im Europa des 18. Jahrhunderts – Presence and Evidence of Unfamiliar Things in 18th-century Europe (DGEJ-Jahrestagung 2013)
Tagungsprogramm (PDF)
Birgit Neumann (Hg.): Präsenz und Evidenz fremder Dinge im Europa des 18. Jahrhunderts. Göttingen: Wallstein 2015 (Das achtzehnte Jahrhundert. Supplementa 19).
Krieg und Frieden im 18. Jahrhundert (1701-1789) (DGEJ-Jahrestagung 2012)
Tagungsprogramm (PDF)
Stefanie Stockhorst (Hg.): Krieg und Frieden im 18. Jahrhundert. Kulturgeschichtliche Studien. Hannover: Wehrhahn 2015.
Aufklärung und Hofkultur in Dresden (DGEJ-Jahrestagung 2011)
Tagungsprogramm (PDF)
Roland Kanz u. Johannes Süßmann (Hg.): Aufklärung und Hofkultur in Dresden. Göttingen: Wallstein 2013 (Das achtzehnte Jahrhundert 37/2).
Die Sachen der Aufklärung – Matters of Enlightenment – La cause et les choses des lumières (DGEJ-Jahrestagung 2010)
Tagungsprogramm (PDF)
Frauke Berndt u. Daniel Fulda (Hg.): Die Sachen der Aufklärung – Matters of Enlightenment – La cause et les choses des lumières. Beiträge zur DGEJ-Jahrestagung 2010 in Halle a. d. Saale. Hamburg: Meiner 2013 (Studien zum achtzehnten Jahrhundert 34).
